HTC One M8 2014

Der Überraschungsgast: Das HTC One M8

HTC schaffte es, kurz nach der Ankündigung am 25. März sein neues Flaggschiff in vielen Ländern auf den Markt zu bringen. Eine logistische Meisterleistung für eine Firma, die mit schwindenden Umsätzen und Topkräften (mittlerweile auch Chefdesigner Scott Croyle) zu kämpfen hat.

Und was für ein Smartphone sie abgeliefert haben: Rundum gelungene Software, wunderschönes Aluminium-Design, Top-Hardware, ein fast perfektes Gesamtpaket. Beleuchten wir kurz die Neuerungen:

Hardware

Der Qualcomm MSM8974AB Snapdragon 801 Chip ist für den Westen mit max. 2,3 GHz getaktet (Asien: 2,5 GHz) und wird von der Adreno 330 Grafikeinheit begleitet. Neueste Generation für diesen Zeitraum. 16 GB Speicher stehen zur Verfügung, was nicht zu wenig ist, bedenkt man, dass ein MicroSD-Karten-Slot zur Verfügung steht, der Karten bis 128 GB fassen kann. Das Display ist das gleiche SuperLCD3 wie im letzten Jahr, subjektiv fühlt es sich jedoch einen Hauch dunkler an, oder aber das Display spiegelt etwas stärker. Es wird vom allseits bekannten Gorilla Glas 3 geschützt. Der fest verbaute Akku hat eine Leistung von 2600 mAh. Das klingt nach nicht sonderlich viel, HTC hat seine Software allerdings derart stark optimiert, dass trotz gleicher Nutzung die Laufzeit mit der eines Galaxy Note 3 (Akku mit 3200 mAh) zumindest in meinem Benutzungsprofil (ca. 3h Screen-on-Time, ADN, Twitter, Press, Facebook, PocketCasts, WhatsApp, QuizUp, sehr viel Chrome, etwas Telefonie u.ä.) mithalten kann. Respekt! Zu den Lautsprechern muss man nicht viel sagen, mittlerweile dürfte sich herum gesprochen haben, dass die BoomSound Speaker des HTC One marktführend sind und der Klang für Smartphoneverhältnisse erstaunlich.

Software

HTC hat seine Oberfläche auf Sense 6 aktualisiert, die optisch zwar nicht viel neues bietet, dafür aber an Funktionalität stark zugelegt hat. Und das nicht im Samsung-Sinne, die alles reinquetschen, was möglich ist, ob sinnvoll oder nicht: Alles, was HTC implementiert hat, hat Hand und Fuß und kann jederzeit sinnvoll im Alltag eingesetzt werden: Stromsparmodus, Do-not-disturb, die Aufweckgesten (Doppel-Tippen, aus jeder Richtung wischen mit unterschiedlicher Funktion), Kids-Mode, Blinkfeed, alles schöne Features. Die generelle Steuerung ist sehr ausgefeilt und macht einen durchaus fertigen Eindruck, trotz der frühen Softwareversion. Die hat auch noch ein paar Fehler, wie z.B. die penetrante Nachfrage nach dem HTC Cloud Backup (die ein „gewünschter Fehler“ für den Beginn sein könnte, damit Kunden sich an die HTC Cloud-Dienste binden). Zusätzlich sind die HTC-eigenen Apps derart schnell, dass einem das Wort „Startzeit“ erst gar nicht in den Sinn kommt. Einfachstes Beispiel: Startet den Dialer einmal auf dem Galaxy Note 3, dann einmal auf dem HTC One M8 – ein himmelweiter Unterschied! Auch hier muss man eindeutig HTC ein Lob aussprechen. Jeder, der sein Telefon als Smartphone nutzt – und nur als solches – wird restlos begeistert sein. Da kommt auch schon der Haken. Ich habe die ganze Zeit nicht über die Kamera gesprochen, nicht wahr?

Die Kamera – die Warze im Gesicht des One

Mein Gott, HTC. Welcher Teufel hat euch geritten, so eine Kamera als Glanzstück zu präsentieren? Warum so viel Zeit in eine zweite Linse und einen zweiten Sensor investieren, wenn an der ursprünglichen Kamera noch so unglaublich viel zu verbessern war? Der Zweite Sensor liefert vielleicht Tiefeninformationen, und hilft dabei, einen schnellen Fokus zu finden, das wars dann aber auch schon. Die „uFocus“-Funktion ist ein Spielzeug, was trotz zusätzlicher Linse genau so schlecht oder gut funktioniert wie beim Galaxy S5. Bessere Bilder macht man damit nicht. Und die Bilder sind: Mies. Die Auslösezeit ist hervorragend, das Ergebnis aber definitiv unterwältigend. Von Begriffen wie automatischer Belichtungskompensation oder Weißabgleich-Korrektur scheint in der Kamera-Abteilung von HTC noch niemand gehört zu haben. Und Testbilder hat in freier Natur anscheinend auch niemand gemacht. Zumindest nicht bei bewölktem Himmel. Innenfotos am Fenster? Hat auch keiner gemacht. Hier ein paar Beispiele:

Es war bewölkt, aber bei weitem nicht dunkel!

Es war bewölkt, aber bei weitem nicht dunkel!

Mit HDR kommt ungefähr das heraus, was man auch gesehen hatte.

Mit HDR kommt ungefähr das heraus, was man auch gesehen hatte.

HTC One Beispielbild 1

Ein Schnappschuss bei nicht ganz tauglichem Licht

Snapseed kann das vorhandene Bild stark verbessern. Ein iPhone hätte ein solches Bild gleich beim ersten Mal gemacht.

Snapseed kann das vorhandene Bild stark verbessern. Ein iPhone hätte ein solches Bild auch nur mit Mühe abliefern können

Vergleich iPhone 5s – HTC One M8:

Vergleichsbild HTC One - iPhone 5s

Der Himmel ist hier leider total ausgebrannt, das HTC will mit aller Gewalt den Vordergrund aufhellen.

Das iPhone fängt die frühe Abendstimmung etwas besser ein.

Das iPhone fängt die frühe Abendstimmung etwas besser ein.

So etwas muss doch auffallen? Und dann muss man daran arbeiten? Und ja, man kann das softwareseitig verbessern! Ultrapixel hin oder her, ob der optische Bildstabilisator nun dabei ist oder nicht: So etwas darf nicht passieren. Die Optiken und der Bildsensor des HTC One sind nicht schlecht, vielleicht auch nur Durchschnitt. Aber die Leute, die die Software dafür entwickeln sind es. Richtig schlecht. Und das ist sie schon im Kernel: Versucht Googles neue Kamera-App Bilder zu machen, sind diese ähnlich enttäuschend.

Darüber können die vorhandenen Spielereien wie Zoes und uFocus nicht hinwegtäuschen. Aufnahmen in schwachem Licht sind die einzige Stärke des HTC One. Nun mag es Nachteulen geben, für die das HTC One damit das gefundene Fressen sein wird. Für micht ist es das aber definitiv nicht. Und so lange meine Tochter noch in meiner Nähe ist, habe ich auch lieber ein Smartphone bei mir, das gute Bilder macht, als eines, das ansonsten eine runde Software bietet. Der geneigte Leser bemerkt: Ich bin ziemlich unterwältigt von der Kamera. Und ich bin nicht gewillt, mit jeder Aufnahme Perfectly Clear oder Snapseed anzuwerfen, um sie zu retten.

Fazit

Für mich geht die Suche weiter. Sehr schade, da die Software und die Hardware mich ansonsten restlos begeistern. Aber mit derartigen Schnitzern in der Kamera kann und will ich nicht leben. Dafür mache ich zu viele Bilder. Kuriose Behauptung, da ich pro Woche vielleicht 10 mal auf den Auslöser drücke. Wenn ich selbst damit immer noch weiter auf der Suche nach dem richtigen Smartphone bin, könnt ihr euch vielleicht ein Bild davon machen, wie schlecht ich die Kamera finde. Der Topf, der sein Telefon nicht zum Bilder machen verwendet, oder mit durchschnittlichen Bildern leben kann, hat mit dem HTC One M8 jedoch garantiert seinen Deckel gefunden.

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